GER 71

Irgendwas mit Segeln oder so

Start
Archiv
RSS

Über mich
Persönliches Weblog
Email


Letzte Kommentare von: Kristof, Alex, Kristof, Tobias, Kristof, RalfK, Alex, Kristof, Alex, Kristof, Alex, Christian, Tobias, Kristof, Tobias, ...
 Facebook: Kristof Doffing
 Twitter: GER71
 
 470er.de
 470er.Blogger
 
 
Int. 470er - Sailworld - Sailing-News.ch - Sailing Anarchy - DSV - ISAF - SVNRW - HSeV - STG - STG Academy - Finckh - Segelreporter - Sailpower - Segeln Magazin - Yacht - Segler-Zeitung - Bordreporter
 
AUS - FRA - ITA - JPN - SUI - USA
 
 
420er ~ Korsar ~ Contender ~ FD ~ Europe ~ Finn ~ OK ~ 505er ~ 29er ~ 49er ~ Opti ~ int 14 ~ A-Cat ~ Pirat ~ Laser ~ Cadet ~ Dyas ~ H-Jolle ~ KZV ~ SZV ~ Nacra17 ~ Moth ~ Teeny ~ Soling ~ Yngling ~ O-Jolle ~ Star ~ Vaurien
 
GER 10 + Cipra / Winkel + GER 24 + SUI 16 + SUI 5 + SUI 1453 + SUI 46 + AUT 3 + AUT 431 + AUT 437 + AUS 11
 
Mackay - Nautivela
 
YCBL - YCBL Blog - DSCL - WSV
 
Mini Url - Dict.leo.org - Wikipedia - Google
 
 Why sail a 470?
 Skizzen zum Beschlagslayout
 What happened to the Großschotbügel?
 Pumpen: Tut das nicht weh?





Manch einer erinnert sich noch an den Anfang der 90er, wo man solide Edelstahl-Bügel in den Ziegelmayer-470ern hatte, fest auf die Traveller-Schiene geschraubt und mit einfachen Bolzen in der Höhe verstellbar. Die Luxus-Variante hatte sogar Fast-Pins, da konnte man im Zweifelsfall sogar mal die Höhe des Bügels auf einem lauen Vorwindgang umpinnen. Die Teile waren quasi unkaputtbar und sehr praktisch zum Festhalten bei einer Rollwende.

Einfach-Bügel
Einfach-Bügel

Das Erbe der DDR (also genaugenommen die FES) brachte dann bald ein schönes Stück Technik in die Szene, nämlich die höhenverstellbaren Großschotbügel aus Alu und Edelstahl. Da konnte man dann jederzeit mit einer Talje perfekt die Höhe verstellen, sogar auf der Kreuz! So schick das Teil war, es hatte einige Nachteile: Es mochte kein Salzwasser (nach jedem Segeln am Meer war ordentlich Spülen angesagt). Und man ist schwer drangekommen. Es gab viele gebrauchte Bügel, die aber auch unterschiedliche Fertigungsqualität hatten. Wer einen funktionierenden Bügel hatte, hat ihn gehütet wie Goldstaub.

FES-Bügel (Schnittbild)
FES-Bügel (Schnittbild)

Und dann gab es später noch die Schickimicki-Variante "Avantgarde" aus Carbon. Rostfrei, aber sauteuer. Und technisch irgendwie unelegant, weil man die Talje aussen anbringen musste, etwas abseits von den eigentlichen Zugkräften. Das Hauptproblem jedoch waren die Kosten, die unverschämten Preise für dieses Teil haben leider den Großschotbügel insgesamt in Verruf gebracht.

Carbon-Bügel
Carbon-Bügel

Ende der 90er kam man auf den Trichter, dass ein fixer Großschotbügel den Großbaum auf der Kreuz nicht komplett in die Mitte bekommt. Genau das war aber unter manchen Bedingungen angesagt, man wollte z.T. den Baum sogar etwas nach Luv ziehen. Also wurde der Bügel auf zwei Traveller-Schlitten geschraubt und konnte so ganz leicht nach Luv geholt werden. Das war die Krönung der Großschotführung, der Holepunkt war in beiden Dimensionen leicht fernzusteuern. Großbaum zu weit in Lee? Traveller ziehen! Achterliek zu offen? Bügel niedriger ziehen. Das war sehr einfach zu verstehen, das hat auch jeder Amateur kapiert. An der Kreuz konnte man bei mäßigem Wind die Schot Block auf Block fahren und den Baumniederholer einfach vergessen.

Schema Traveller-System mit Bügel
Schema Traveller-System mit Bügel

Schicke Technik, mit der man den Groß-Trim perfekt kontrollieren konnte. Manch andere Klasse hat uns darum beneidet. Wie das aber so ist, es war zu schön, um Bestand zu haben. Die FES-Bügel waren nicht zuverlässig zu haben, und die Avantgarde-Bügel wurden immer teurer (bis zu 1000 DM, sapperlot!). So hat dann irgendwann die int. KV beschlossen, das Ganze zu verbieten. Der Wortlaut war:

“The following shall apply for boats first measured after 1st March 2002: If a traveller track is used, only a maximum of two travellers is permitted. The mainsheet system adjustments may only be remote controlled in one direction (e.g. in/out or up/down). Additional adjustments are only permitted adjacent to the traveller by means of prefixed positions. Only hoops made from aluminium alloy and stainless steel are permitted.”

Das war ein "Verbot per Schikane". Es war zwar ein Bügel auf einem Traveller erlaubt, aber halt nur in eine Dimension "fernzusteuern". Die andere (also fast zwangsläufig "auf und ab") musste mit Bolzen o.ä. gemacht werden. Damit war aller Sex-Appeal dahin, und ab sofort fuhr man international mit einfachen Strippen-Systemen. Das war zwar in der Tat billiger, aber auch sehr schwer zu bedienen. Das Zusammenspiel von Dreieck und Baumniederhalter ist halt ziemlich wabbelig und muss ständig angepasst werden.

Schema Strippensystem mit Traveller
Schema Strippensystem mit Traveller

Einem Top-Segler mit 200 Wassertagen im Jahr und immer einem Trainerboot hintendran wird es nicht schwerfallen, damit zurecht zu kommen. Für Amateure war das schwieriger. Ich hatte anfangs ein sehr ungutes Gefühl mit den Strippen. Inzwischen habe ich mich nach Jahren daran gewöhnt, denke aber weiterhin, daß ich mit einem "alten Dreieck" zuverlässiger meinen Trimm finden würde.

Das war dann der Stand der Technik für viele Jahre, und eigentlich bei den meisten bis heute. 2012 bei den Olympischen Spielen habe ich mir dann aber die Augen gerieben: Die Onboard-Kamera von Belcher/Page zeigt doch tatsächlich einen Bügel! Und der ist in allen Richtungen verstellbar. "Ist das wohl erlaubt?"

London 2012
London 2012

Und tatsächlich, seit 2006 heisst es in den Klassenregeln:

An aft and/or centre mainsheet system may be used. Fittings and the adjustment system are optional, except that if a hoop is used, it shall be of aluminium and/or stainless steel.

Rolle rückwärts, "Alles wieder erlaubt, Hauptsache kein Carbon" also, und keiner hat's bemerkt. Zumindest ich habe es nicht bemerkt, mir sagt ja keiner was. Natürlich habe ich seitdem etwas genauer geguckt, aber so viele 470er-Segler haben noch nicht wieder einen Bügel. Warum? Ich weiss es nicht. Hat sich die Segel-Philosophie wieder geändert? Gibt es immer noch nicht so viele Hersteller?

FES-Bügel
FES-Bügel

Avantgarde aus Carbon geht nicht mehr. Bei Malte Winkel und Matti Cipra habe ich in einem Video einen alten FES-Bügel entdeckt. Sehr sympatisch, aber eher die Ausnahme. Viele Mannschaften nutzen einen Edelstahlbügel, der angeblich aus Japan stammt. Eine Bezugsquelle habe ich aber noch nicht gefunden. Und dann gibt es noch den Bügel namens "VMG Main Traveller Sytem", der wirkt wie aus dem 3D-Drucker. Der sieht in echt auch nicht viel vertrauenswürdiger aus. Aber er wird benutzt, kann also nicht so schlecht sein. Und dann gibt es neuerdings noch eine Lösung offenbar aus Italien von "Sailing Evolution", ähnlich dem VMG, nur schicker und schlanker. Auch dieser hat keine Feder drin, sondern benutzt ein einfaches System mit Gummis. Den mag ich auf den ersten Blick sehr, habe aber noch keine Bezugsquelle gefunden (sito in costruzione).

Komplett mit Travellerschiene
Komplett mit Travellerschiene

Fragen über Fragen, und vor allem: Was soll ich selbst in mein Schiff bauen? Ich hätte ja gern wieder diese Technik zur Verfügung. Und ich habe noch die komplette Mechanik aus meinem gecrashten GER4881 in der Schublade liegen.Und einen nagelneuen FES-Bügel habe ich auch noch. Aber will ich wirklich Technik aus dem letzten Jahrtausend einbauen? In ein Schiff, das auch schon 11 Jahre hinter sich hat? So ein Bügel wiegt schließlich auch das ein oder andere Kilogramm. Vermutlich warte ich, bis mal ein neues Schiff angeschafft wird und lasse es dann zeitgemäß ausstatten.

Unbenutzt
Unbenutzt

(Nebenbei: Auf Englisch heisst so ein Bügel meist einfach "Hoop")

Update 10.1.2015: Die Jungs von "Sailing Evolution" schreiben mir:

Our traveller has been designed by C.A.D. system and we have also used a program to simulate the stress that occurs, even in extreme conditions, to define the best material and the best dimensions for each part. The main plate and the tube are realized in special aluminum alloy for marine use. The slide and the linear bearing (in which run the tube) are in technical polymer suitable for use in saline environments with excellent hygroscopic properties and very low friction. The feet, that connect the traveller at the main slide of the boat, are in stainless steel (all the strength pass through them). All parts have been realized by numeric control machines to guarantee an excellent repeatability and quality of manufacturing. All parts in aluminum alloy are subjected to surface treatments to ensure at these parts a long life with no corrosion.

Sailing Evolution
Sailing Evolution

The possible adjustment of the traveller are: 1) Height adjustment of the main sheet lead during the sailing: The system to pull down the tube is realized with a 1:4 tackle that work in axe to the tube, it is possible to adjust the height of the tube on both side, in fact, to fix the traveler sheet, there are two cam cleat one for each side. 2) Transversal adjustment of the boom (windward - leeward): It is possible to use the same main slide sheet already installed on the boat.

Our traveller, completely assembled, weighs only 680 gr. We follow this philosophy: if you have to create something, create it nice because the costs are the same.

Preise gibt es auf Nachfrage unter der hier genannten Emailadresse.

Update 6.2.2015: Inzwischen habe ich so ein Teil aus Italien.

Update 25.2.2015: Mehr ...

Update 18.1.2016: Mehr ...

[Bilder-Serie]

07.01.15 18:39 Kristof [2 Kommentare] Teilen: Facebook Twitter